Ohne unsere eigene Gesundheit zu vernachlässigen, sollten wir Pferdehalter aber auch an mögliche Erkältungsgefahren für unsere vierbeinigen Sport- und Freizeitkameraden denken. In den trist-kalten Monaten zittert und bibbert nämlich auch manch ein falsch gehaltenes, sorglos gerittenes und unzureichend gefüttertes Pferd. Und das kann böse Folgen haben. Wie Sie Ihr Pferd fit und fröhlich durch Herbst und Winter geleiten, erklärt Ihnen Christine Lange im folgenden Beitrag.

wintergrippe01

Als „Erkältung“ bezeichnen wir eine Infektion, bei der Mikroorganismen – zum Beispiel Viren – das körpereigene Abwehrsystem des Makroorganismus Tier oder Mensch überwinden, sich in ihm vermehren und ein Krankheitsgeschehen auslösen. Meist ist davon ein besonders „anfälliges“ Organ betroffen: oft die Atemwege oder Harnwege.

Nasenausfluss, tränende Augen, Husten oder Brennen beim Wasserlassen sind dann die Folge. Der Körper wehrt sich, indem er seine Temperatur erhöht um die unerwünschten Eindringlinge zu vernichten. Gelingt ihm das nicht, können sich auf dem krankhaft veränderten „Nährboden“ – sehr vereinfacht ausgedrückt – nun bestimmte Bakterienarten ansiedeln und weitere Schädigungen hervorrufen. Jetzt braucht der Körper Unterstützung bei seinem Kampf gegen die Eindringlinge. Also setzt der Mediziner Bakterien tötende Medikamente ein, macht also mit einer „chemischen Bombe“ den bakteriellen Eindringlingen den Garaus.

Wird diese Behandlung konsequent durchgeführt und durch die richtigen begleitenden Maßnahmen – wie Ruhe, eine besondere Kost, Inhalationen oder Wärmebebehandlungen konsequent unter stützt, wird der Patient wieder gesund. Soweit schlicht zusammengefasst – die Basisinformation. Sie gilt für Pferd und Mensch gleichermaßen.

Wann ist das Pferd gesund?
Normalerweise verfügt ein Organismus über genügend Abwehrkräfte, um in den Körper eindringende Viren erfolgreich zu bekämpfen und das Ausbrechen einer Krankheit zu verhindern. Dem gesunden Wildpferd gelingt dies, weil es ein Haarkleid besitzt, das der Jahreszeit angepasst ist und Kälte und Nässe abwehren kann, es in der Steppe wirkund nährstoffreiche und heilkräftige Pflanzen aufnehmen kann, die sein Immunsystem stärken, es durch ständige Bewegung unter freiem Himmel die Durchblutung und damit die Nährstoffversorgung aller Organe sicherstellt, es sich im Herdenverband geborgen fühlt und seine Zufriedenheit sich positiv auf sein Abwehrsystem auswirkt.

Gefahr durch Kälte
In dem Wort „Erkältung“ steckt der Hinweis auf einen erheblichen Krankheitsauslöser: Kälte und zwar im Sinne einer übermäßigen Auskühlung des Körpers oder bestimmter Körperteile.

Das Wildpferd war große Temperaturschwankungen gewohnt, schaltete im Winter seinen Organismus „auf Sparflamme“ und vermied überflüssige Bewegungen. Es suchte sich trockene Liegeplätze und profitierte von der Körperwärme der Artgenossen. Aber auch sein Körper war vor Auskühlung nicht gefeit. Häufige panische Fluchten, die den Schweiß fließen ließen, lange Hungerperioden, andauernd schlechtes Wetter fordern auch in der Wildbahn ihren Tribut. Je mehr Negativfaktoren zusammen kommen, desto schwächer wird das Immunsystem.

Pferde heute
Das moderne Sport- und Freizeitpferd ist vollkommen vom Menschen abhängig. Sein Halter und/oder Reiter muss daher seine Abwehrkräfte durch ein Bündel von Maßnahmen erhalten und fördern:

- Erhalt und Pflege des Haarkleides.

- Zusätzlichen Nässe-, Wind und Kälteschutz in Form von Decken und/oder überdachten Stallungen.

- Nähr- und wirkstoffreiches Ergänzungsfutter, das das Fehlen wichtiger Bestandteile im Grundfutter ausgleicht.

- Wohldosierte Bewegung, die den Organismus stärkt, aber nicht überhitzt, überlastet und zu einer Erhöhung der Körpertemperatur führt, die durch Schweißabgabe ausgeglichen werden muss.

- Sozialkontakt zum Artgenossen, welche die innere Zufriedenheit sicherstellt.

Natürlicher Schutz: das Haarkleid
Die Natur hat das Pferd mit einem Haarkleid ausgestattet, das es sehr wohl zu schützen vermag. Das Oberhaar bildet Haarstrich und Wirbel aus, die Nässe zum Boden hin ableiten. Das Unterhaar bildet mit zunehmender Kälte eine dichte Wolle. Die einzelnen „Wollfasern“ richten sich auf, so dass eine wärmende Isolierschicht entsteht. Das Langhaar schützt durch Dichte und Wuchsrichtung besonders empfindliche Kopf- und Körperpartien.

Wetterschutz unter Dach
Nicht jedes Pferd ist ein Nordlandtypus. Viele Rassen entwickeln zwar ein dichtes, aber nun einmal kein sonderlich gegen Nässe schützendes Haarkleid. Ohne einen Stall oder zumindest einen trockenen Unterstand kommt kein Pferd aus. Damit er nicht dennoch zur „Erkältungsfalle“ wird, achten Sie bitte auf folgende Faktoren:

- Der Stall darf durchaus ein so genannter Kaltstall sein, denn niedrige Temperaturen schaden Ihrem Pferd nicht.

- Um viel Frischluft (wichtig für die Atemwege!) einzulassen, aber Unterkühlung fördernde Zugluft zu vermeiden, dürfen Fenster und Türen jeweils nur nach einer Richtung hin offen stehen.

- Die Liegefläche muss ebenerdig, besser höher als der umgebene Boden sein, aber keinesfalls tiefer liegen als die Stallgasse. Über tiefer gelegenen Bereichen bilden sich „Kaltluftseen“, die den Pferdekörper auskühlen lassen. Tiefstall-Pferde erkranken häufiger an Arthritis und Entzündungen der Harn- und Atemwege!

- Die Liegefläche muss reichlich eingestreut sein, denn nur eine dicke, trockene und saubere Einstreu-Schicht isoliert den Pferdekörper ausreichend gegen Bodenkälte.

- Je größer die Stallfläche, desto mehr regt sie das Pferd zur Bewegung an. Zu kleine Flächen, die selbst das umdrehen erschweren, verleiten das Pferd zu stundenlangem Stillstehen, was die Durchblutung deutlich mindert.

- In Gruppenhaltung muss gewährleistet sein, dass auch das rangniedrigste Pferd Zugang zu einer überdachten, dick eingestreuten Liegefläche erhält. Das lässt sich nur durch sehr große Offenställe oder Unterstände, die mehrere – nach einer Seite hin ausgerichtete – Eingänge haben oder aber durch den Aufbau mehrerer Unterstände erreichen. Hilfreich: Breite Dachüberstände über mit Raubeton abgezogenen Laufflächen erlauben auch rangniedrigeren Pferden, sich wenigstens „unterzustellen“, wenn ranghöhere Pferde ihnen den Zutritt zum Offenstall verweigern.

Praxistipps für den Pferdehalter
Um Ihrem Pferd die Schutzfunktion des Haarkleides im Winter zu erhalten, sollten Sie es

- regelmäßig bürsten, um die Wollhaare zu lockern, damit sie sich aufrichten können,

- es nicht übermäßig striegeln, um die schutzgebende Schicht aus Talg, Hautpartikelchen und Hautsalzen direkt auf der Haut nicht zu entfernen,

- Mähne, Schopf, Schweif und Köten keineswegs schneiden oder abrasieren (bitte niemals den Schweifansatz rasieren, denn er bildet ein schützendes Dach über der kälteempfindlichen Genitalregion!),

- weder Fell noch Langhaar waschen oder gar schamponieren. Wasser – erst warm, dann langsam abkühlend – nur zum Waschen der Hufe und Beine bis maximal in Höhe der (vorn) Karpalund (hinten) Sprunggelenke einsetzen und die Beine danach sorgsam abtrocknen.

Worauf Sie achten sollten!
Wenn irgend möglich, werfen Sie regelmäßig einen Blick auf den Urin Ihres Pferdes. Gesunder Urin ist milch-gelblich und riecht nicht streng. Völlig trüber oder rosafarbener bis blutiger, schlimmstenfalls gar schwarz-brauner oder schwarz-roter Urin mit strengem Geruch weist eindeutig auf eine Störung hin! Unbehandelt kann eine aufsteigende Harnleiterinfektion zu einer schweren Nierenentzündung bis hin zu Nierenversagen und zum Tode führen!

Zwei bewährte Praxistipps
1. Leider nicht ganz billig, dafür den Preis wert: Isländisch Moos. Bestellen Sie es in der Apotheke (in Deutschland kosten 250 g ca. 50 DM) und geben Sie täglich ein paar Brösel übers Kraftfutter. Es wird gern gefressen! Isländisch Moos gehört der Gattung der Flechten an. Es enthält Schleimstoffe, die im Körper zu Kohlehydraten abgebaut werden, Vitamin A, B1, B2. Die Flechtensäuren entfalten heilende Wirkung und hemmen Bakterien und Viren in ihrer Vermehrung.

2. Durchaus bewährt auch bei Tieren hat sich die vorsorgliche Verabreichung von Echinacin-Tropfen. Dem „Roten Sonnenhut“ wird eine Stärkung der Abwehrkräfte nachgesagt. Empfohlen werden 30 – 50 Tropfen (je nach Pferdegröße), 1 bis 2 mal am Tag ins Kraftfutter gemischt oder auf Brot geträufelt und ab Herbst kurmäßig über 6 – 8 Wochen verabreicht.

Auslauf ohne Unterstand

Nachdem immer mehr Reiter nach artgemäßer Pferdehaltung rufen, ist auch die Bereitschaft der Stallbetreiber, Stunden-Ausläufe zu errichten gewachsen. Bei Stallpferden mit feinem Fell empfiehlt sich eine Allwetter-Decke. So sind sie bei einem Schlechtwettereinbruch vor Durchnässung und Auskühlung geschützt. Abwehrstärkung über das Futter Durch die intensive Bewirtschaftung hat sich die Zusammensetzung des Bewuchses von Wiesen und Weiden verändert. Für das Pferd wichtige, seltene Gräser-, Klee- und Kräuterarten wurden von schnellwüchsigen Grassorten verdrängt; Umwelteinflüsse haben das Gleichgewicht an Nährstoffen beeinträchtigt. Gerade im Winter können ernährungsbedingte Mangelerscheinungen die Erkältungsbereitschaft begünstigen. Besonders empfehlenswert um diese Jahreszeit:

- Mineralfutter aus Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen (Vitamin A, D3,£, B1, B2, B6, B12, Eisen, Kupfer, Mangan, Zink, Jod, Kobalt, Selen) mit ausgewählten Kräutern wie Brennnessel, Haselnussblättern, Kümmel, Rosmarin, Isländisch Moos und Meeresalgen.

- Heilkräuter in Arzneibuchqualität. Sie verbessern nicht nur den Geschmackeines Futtermittels, sondern fördern auch die Gesundheit der Atemwege (vor allem Huflattich, Rosspappel, Eibisch, Spitzwegerich, Lungenkraut, Feldthymian, Bruchkraut). Achtung: Achten Sie bei Kräuterfutter auf einen möglichst hohen Kräuteranteil (50 100%)!

- Isländisches Dorschleberöl, das dem Organismus nicht nur Vitamine, sondern gegen Kälte schützende Energie zuführt.

- Propolis – ein von Bienen erzeugtes Gemisch von ätherischen Ölen und Flavonoiden. Es wird von Bienen zur Infektabwehr in ihren Aufzuchtwaben erzeugt und hat einen keimhemmenden Effekt.

- Vitamin C in hohem Anteil zur Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte.

Bewegung mit Verstand
Als Lauftier leidet Ihr Pferd, wenn es sich nicht bewegen kann. Doch bei Ausritten heißt es: ruhig angehen lassen! Das ist oft leichter gesagt als getan. Der Reiter hält zurück, das Pferd „heizt“ sich auf und schon fließt der Schweiß, obwohl das Tempo gedrosselt blieb.

Psychologisch wirksamer Trick:
Gehen Sie mit dem Pferd an der Hand erst ein wenig spazieren. Das wärmt nicht nur den Bewegungsapparat an, sondern beruhigt auch das Gemüt. Erst danach aufsitzen oder an der Hand (Longe, Doppellonge) intensiver weiter arbeiten. Ruhige, lange Trabreprisen sind sinnvoller als ständiges Zurücknehmen in den Schritt, falls sich das Pferd dabei aufregt. Den Galopp meiden, da er zuviel Kraft fordert und Schweißbildung vor allem im Winterfell fördert. Zur Normalisierung der Körpertemperatur lange Reprisen im Schritt am hingegebenen Zügel oder an der Hand, alternativ auch eingedeckt an der Führmaschine, nachschieben.

Intakte Abwehr durch Herdenverband
Zufriedenheit stärkt die Abwehrmechanismen, Resignation unterminiert die Gesundheit und öffnet „Erkältungsviren“ Tür und Tor. Gönnen Sie Ihrem Pferd Kontakt zu seinen vierbeinigen Kumpels, die Sie ihm beim besten Willen nicht gänzlich ersetzen können. Haben Sie Angst vor Verletzungen, sollte es, zumindest über einen sicheren Paddockzaun hinweg Körperkontakt aufnehmen können.

Am besten wäre eine oder mehrere tägliche „Spielstunden“ – in der freien Reitbahn, auf dem eingefriedeten Longierzirkel oder in einem Auslauf gemeinsam mit befreundeten Artgenossen, die ihre Rangordnung geklärt haben. Das Spiel ist zugleich Anreiz zu zusätzlicher Bewegung und fördert damit über die verbesserte Durchblutung auch die erhöhte Versorgung des Organismus mit Nährstoffen. Die wiederum helfen den Killerzellen auf die Sprünge – ein positiver Ping-Pong- Effekt der sich mit verbesserter Gesundheit – auch im Winter auszahlt.

Wichtig
Die Decke abnehmen, sobalddas Pferd sich normal temperiert anfühlt, nicht mehr dampft und das Fell trocken ist. Bürsten Sie es jetzt mit einer weichen Bürste, damit sich die Wollhaare wieder aufrichten. Wenn möglich, lassen Sie Ihr Pferd noch in trockenem Sand oder Spänen sich wälzen. Sie nehmen auch den letzten, für Sie nicht mehr erfühlbaren Rest Feuchtigkeit auf. Niemals die Abschwitzdecke über Nacht auf dem Pferd lassen!

Wichtig
Die Decke muss auch die Brust komplett abdecken. Die Verschlüsse müssen das freie Koten und Harnen ermöglichen und dem Pferd auch das Hinlegen und Wälzen erlauben, ohne zu verrutschen oder sich zu öffnen.

Achtung
So gut der Frischluftaufenthalt gemeint ist: Steht ein Pferd bei starkem Regen frustriert allein im Auslauf und wartet eigentlich nur darauf, herein geholt zu werden, erfüllt der Paddock nicht seinen Sinn. Besser ist es, zwei oder vier Pferde, die sich gut kennen und mögen, gemeinsam in den Auslauf zu stellen, damit sie miteinander spielen und zur Bewegung animieren!

Diese Website nutzt Sitzungs-Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können.
Ok