Die neue Weidesaison steht vor der Tür! Bald können sich Ihre Pferde wieder an der frischen Luft austoben und sich ihr Futter auf der Weide selber suchen! Doch sind Ihre Pferdeweiden überhaupt schon wieder fit für die Beweidung? Wie sieht die Grasnarbe aus? Wie steht es um Düngung und Weidehygiene?

Weide 1 03 2004

Der Jahrhundertsommer des letzten Jahres hat auch auf den Weiden seine Spuren hinterlassen. Die monatelange Dürreperiode, begleitet von extremer Hitze, hat vor allem den flach wurzelnden Gräsern schwer zugesetzt. Dagegen konnten tiefer wurzelnde Unkräuter wie Löwenzahn, Ampfer und Disteln auch noch die letzten Wasserreserven des Bodens nutzen und haben sich dadurch auf Kosten der Gräser stärker ausgebreitet. Die Niederschläge im Herbst reichten meist nicht aus oder kamen zu spät, so dass sich die verdörrte Grasnarbe bisher kaum regenerieren konnte. Jetzt muss es deshalb darum gehen, die wertvollen narbenbildenden Untergräser wieder zu etablieren und zu fördern.

Damit sich die anspruchsvollen Gräser auf der Weide halten können, muss zunächst sichergestellt sein, dass die Versorgung mit den Grundnährstoffen Phosphor (P), Kalium (K) und Magnesium (Mg) stimmt und sich die Weide in einem ordnungsgemäßen Kalkzustand befindet. Aufgrund der in der Vergangenheit weit verbreiteten Verwendung von Volldüngern sind viele Weiden mehr als reichlich mit P, K und Mg versorgt, nicht selten besteht aber auch ein akuter Düngungsbedarf nur für einen der Nährstoffe. Eine vernünftige Aussage über den Düngungsbedarf lässt sich daher nur über einer Standardbodenuntersuchung machen, wie sie die LUFA Münster jetzt bundesweit für Pferdeweiden anbietet. Die Kosten von ca. 15 Euro sind durch die Vermeidung überflüssiger Düngergaben schnell wieder eingespart. Interessenten können die Unterlagen zur Bodenuntersuchung per Post gegen Einsendung eines mit 1,44 Euro frankierten großen Rückumschlages unter dem Stichwort „Pferdeweiden“ bei der LUFA Münster, Nevinghoff 40, 48147 Münster anfordern oder im Internet unter www.landwirtschaftskammer.com/ lufa finden. Mit dem Untersuchungsergebnis der Bodenprobe erhält der Pferdehalter eine detaillierte Düngeempfehlung.

Falls eine Düngung mit den genannten Grundnährstoffen oder eine Kalkung notwendig ist, sollte diese schon vor Vegetationsbeginn ausgebracht werden.

Spezialdünger einsetzen
Besteht Düngebedarf für Kalium und Magnesium, ist Magnesia-Kainit® ein praktischer Dünger, da er beide Mineralstoffe gleichzeitig und zusätzlich das für die Schmackhaftigkeit des Futters wichtige Natrium liefert. Da allerdings mehr als ein Drittel der Weiden mit Kalium bereits hoch oder sogar überversorgt sind, ist es in diesen Fällen sinnvoll, die Elemente Natrium und Magnesium nicht über ein Kalisalz, sondern über einen speziellen Weidedünger wie Excello®-Weide zuzuführen. Dieser versorgt die Weide zusätzlich mit Spurenelementen wie Kupfer, Zink, Mangan und dem für die Tiere wichtigen Selen. Im Frühjahr ist darauf zu achten, dass sich auf den Lücken in der Grasnarbe keine neuen Unkräuter ansiedeln. Aus diesem Grund sollten die Weiden, sobald sie einigermaßen abgetrocknet und wieder befahrbar sind, abgeschleppt werden, um Maulwurfshügel einzuebnen und die Gräser zur Bestockung anzuregen. Gleichzeitig werden durch diese Maßnahme frisch gekeimte Unkräuter ausgerissen und zahlreiche der noch auf der Bodenoberfläche ruhenden Unkrautsamen zur Keimung angeregt.

Wenn Sie dann etwa ein bis zwei Wochen nach dem Schleppen drei bis vier Dezitonnen je Hektar Kalkstickstoff Perlka ® auf die Weide streuen, schlagen Sie damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Kalkstickstoff fördert durch seine gleichmäßig über viele Wochen anhaltende Düngerwirkung ganz besonders die narbenbildenden Untergräser. Damit bekommen Sie wieder eine dichte Grasnarbe und verhindern, dass Ihre Weide beim ersten Aufwuchs zu sehr „ins Kraut schießt“, das heißt zu hoch und eher lückig wird. Kalkstickstoff Perlka® hat in den ersten Tagen nach dem Ausstreuen zunächst eine gewisse herbizide Wirkung. Diese reicht aus, um die frisch gekeimten, noch flach wurzelnden Unkräuter auszuschalten. Auch das Moos ist gegenüber Kalkstickstoff empfindlich. Den etablierten Gräsern und Kräutern vermag der Kalkstickstoff normalerweise nichts anhaben – mit einer Ausnahme: Wenn die Düngerkörnchen in die trichterförmige Blattrosette des Löwenzahns fallen, zerstören sie das „Herz“ der Pflanze, die
sich davon nicht mehr erholt. Deshalb kann man den Löwenzahn mit dieser Maßnahme deutlich zurückdrängen. Normalerweise empfiehlt es sich, die Kalkstickstoffdüngung durchzuführen, wenn das Gras abgetrocknet ist (also nicht bei Taufeuchte am Morgen!), damit die Düngerkörnchen gut auf den Boden durchrieseln können.          

Bei starker Verunkrautung kann auch eine radikalere Vorgehensweise Sinn machen: das Ausstreuen auf den taunassen Bestand. Hierdurch werden vor allem breitblättrige Unkräuter verätzt, weil sie mit ihren waagrecht stehenden blättern natürlich besonders viele Düngerkörnchen „auffangen“. Auch Weißklee, wenn er überhand genommen hat, lässt sich auf diese Weise etwas zurückdrängen. Nach etwa zehn Tagen ist die herbizide Phasedes Kalkstickstoffs vorbei, nun setzt die Düngerwirkung ein.

Weide 2 03 2004Reparatursaat sinnvoll
In diesem Frühjahr wird auf vielen Weiden eine Reparatursaat sinnvoll sein. Dazu sollten pro Hektar 10 bis 15 Kilogramm einer weidegrasreichen Saatmischung, die speziell auf Pferdeweiden abgestimmt ist, ausgebracht werden. Es ist natürlich ideal, wenn die Nachsaat erfolgt, nachdem keimende Unkräuter zuvor bereits durch Kalkstickstoff ausgeschaltet wurden. Das Saatgut kann entweder mit einer Spezialmaschine oder mit einer Drillmaschine ausgebracht werden. In letzterem Fall sollte die Bodenoberfläche zuvor durch eine Wiesenegge aufgerissen werden, damit der Samen besseren Anschluss erhält. Man kann die Startbedingungen für die neuen Gräser weiter verbessern, indem man etwa vier Wochen nach der Saat die Grasnarbe abmäht, so dass die Jungpflanzen nicht vom Altbestand überwachsen werden. Ein weiterer Effekt der Kalkstickstoffdüngung
ist die Verbesserung der Weidehygiene. Während der ersten Umwandlungsphase nach dem Ausstreuen werden Verbindungen freigesetzt, die einen Großteil der auf der Weide überwinterten Parasitenlarven ausschalten: Blutwürmer, Lungenwürmer und Zwergfadenwürmer sind gegen das Cyanamid des Kalkstickstoffs besonders empfindlich. Auf diese Weise kann man die Gefahr der Wiederansteckung vermindern, wenn die zuvor entwurmten Pferde im Frühjahr wieder auf die Weide kommen. Etwa zehn Tage nach der Kalkstickstoffanwendung kann man die Pferde wieder auf die Weide, selbst wenn auf dem Boden noch Reste der Düngerkörnchen sichtbar sind: hierbei handelt es sich um Kalk und Kohlenstoff, was die Beweidung aber nicht beeinträchtigt. Um den erreichten Hygienstatus nicht wieder leichtfertig zu verspielen, sollte es selbstverständlich sein, dass während der Weidesaison regelmäßig der Kot von den Flächen abgesammelt wird. Auch ein Wechsel von Schnitt und Weidenutzung hilft, die Parasitenbürde einzuschränken.

Fazit
Weidepflege im Frühjahr zahlt sich aus. Wer jetzt die richtigen Maßnahmen ergreift, kann seinen Pferden bald wieder eine dichte und strapazierfähige Grasnarbe anbieten. Das ausgewogene Mineralstoffverhältnis und die geringere Parasitenbelastung im Gras kommen letztendlich der Gesundheit und Leistungsfähigkeit Ihrer Pferde zugute!
Dr. Hans-Jürgen Klasse,
Trostberg
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