Die Geschichte der Pferdezucht nimmt ihren Ursprung vor ca. 5000 Jahren. Dadurch haben wir Menschen den Lebensraum der Pferde eingeschränkt, wohingegen sich deren Verhalten und Ansprüche nicht wesentlich verändert haben. Nach §2 des Tierschutzgesetzes muss, wer ein Tier hält es seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen, und er darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen, vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.


Aber welche Bedürfnisse hat eigentlich mein Pony?

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Hierzu beobachtet man die Verhaltensweisen der heute leider selten gewordenen Wildpferde und kommt zu dem Schluss:

Pferde sind Herdentiere, d.h. sie sind soziale Tiere, die in Gruppen (Idealgröße bis zu 12 Tieren) mit einer festen Rangordnung leben. Sie sollten niemals alleine gehalten werden! Wenn es nicht möglich ist, die Ponys in der Gruppe zu halten, so ist zumindest der Blick- und Schnupperkontakt zu gewährleisten.

Pferde sind Bewegungstiere, d.h. sie sind bis zu 16 Stunden täglich damit beschäftigt, Futter aufzunehmen. Hierbei überwiegt die Bewegung im entspannten Schritt. Da wir, wenn wir Pferde halten, diesen Bewegungsraum einschränken, müssen wir einen Ausgleich für den Aktivitätsverlust schaffen!

Pferde sind Fluchttiere, d.h. sie brauchen auch den nötigen Platz, um auszuweichen, besonders rangniedere Tiere. Wenn es in einer Gruppe zu bösen Verletzungen kommt, liegt das häufig daran, dass die Pferde keinen Platz haben, sich aus dem Weg zu gehen. Üblicherweise droht der Ranghöhste einer Herde und der Rangniedere räumt das Feld. Bis eine feste Rangordnung entsteht, können Monate vergehen und es wird immer wieder Rangeleien geben. Deshalb sollte man besonders bei der Neuzusammenstellung einer Herde genügend Platz einkalkulieren und auch nicht zu schnell den Mut verlieren!

Grundsätzlich unterscheidet man heute 3 verschiedene Formen der Haltung:

1. Boxenhaltung

Eine Box für Kleinpferde sollte mindestens 3 x 3 m groß sein und den Kontakt zu den Artgenossen nicht versperren. Der Stall sollte hell und gut belüftet sein. Idealerweise ermöglicht man den Ponys ganztägigen Auslauf. Im Sommer ist die Graskoppel ideal (aber Achtung bei jungem, frischen Gras: Rehegefahr! Besonders Ponys stellt man besser nicht auf eine "frische" Weide, sondern lieber auf eine bereits "abgefressene"! Koppelzeit von 10 Minuten tägl. um 5 Minuten steigern), im Winter bietet ein Paddock frische Luft und die Möglichkeit zum Herumtollen mit Artgenossen. Das Kleinpferd nur eine Stunde zum Reiten aus der Box zu holen und die restlichen 23 Stunden des Tages in der Box stehen zu lassen widerspricht seinem natürlichen Verhalten! Außerdem fördert man auf diese Weise die Anfälligkeit für Atemwegs- und Erkrankungen des Bewegungsapparates! Unarten wie z.B. Koppen, Boxenlaufen oder Weben treten vor allem bei gelangweilten Pferden auf, die ihren Bewegungsdrang auf diese Weise zu kompensieren versuchen. Möchte man dies vermeiden, sollte man auf reichlich Auslauf und Abwechslung für sein Pony achten.

2. Laufstallhaltung

Unter Laufstallhaltung versteht man das soziale Zusammenleben mehrerer Pferde in einer großen "Box". Dabei rechnet man mit einem Platzbedarf von ca. 3 m² Fläche pro Kleinpferd. Um eine individuelle Futteraufnahme zu gewährleisten, sind sogenannte Fressstände von Vorteil. Auf diese Weise können auch rangniedere Pferde ungestört ihr Futter aufnehmen und auch die eventutell nötige Gabe von Medikamenten an einzelne Pferde über das Futter ist unproblematisch. Auch bei der Laufstallhaltung, die die Sozialkontakte der Ponys fördert, darf man den täglichen Auslauf an der frischen Luft nicht vergessen! Ideal ist ein Laufstall mit angeschlossenem Freilauf, so dass die Kleinpferde je nach Belieben drinnen oder draussen herumtollen können.

Wer mit dem Gedanken spielt, einen Laufstall zu bauen oder aber Anreize für die Verbesserung eines bereits bestehenden Stalles sucht, kann sich bei der Laufstall-Arbeits-Gemeinschaft e. V. (www.lag-online.de) informieren und wertvolle Tips erhalten.

3. Robusthaltung im Offenstall

Bei der Robusthaltung stehen mehere Pferde als Herde im Sommer wie auch im Winter draussen. Hierfür benötigt man einen Unterstand, der idealerweise mehrere Ausgänge hat, damit bei Kabbeleien keines der Ponys in die Enge getrieben werden kann. Er sollte groß genug sein, dass alle Ponys in ihm liegen können. Als Einstreu empfehlen sich Stroh oder Spähne, selbstverständlich muss auch täglich gemistet werden wie bei allen Haltungsformen.

Auch im Offenstall muss eine individuelle Futteraufnahme gewährleistet sein, so dass Fressstände sich auch hier anbieten. Runde, idealerweise überdachte Heuraufen ermöglichen ebenfalls die gleichzeitige Futteraufnahme mehrerer Pferde ohne Rangeleien.


06 2004 stallvergleichFrüher nahm man fälschlicher Weise an, dass nur die sogenannten Robustrassen wie z. B. Isländer, Haflinger oder Shettland-Ponys ganzjährig im Offenstall gehalten werden können. Diese Ansicht ist heute Gott sei Dank überholt! Vom Deutschen Reitpony über Hackneyponys bis hin zum wertvollen Turnierpony fühlen sich alle Pferde in unseren Breiten im Offenstall wohl.Wenn im Herbst oder Winter der Auslauf zu matschig wird, leistet Rindenmulch gute Dienste. Im Sommer kann auf einen Unterstand verzichtet werden, vorausgesetzt es sind ausreichend Bäume vorhanden, die Schatten spenden. Regen macht den Ponys ebensowenig aus wie Schnee. Wer dies bezweifet, sollte mal auf das Verhalten der Ponys achten, wenn es in Stöhmen schüttet: nur in den seltensten Fällen stellen sie sich unter, im Gegenteil, viele genießen die Massage durch den Regen!

Welche Haltung letztendlich für mein Pony die richtige ist hängt von mehreren Punkten ab:

- Wieviel Zeit kann ich mit meinem Pferd verbringen? Bin ich stark eingespannt und kann sowieso nur drei mal pro Woche in den Stall, muss von der Boxenhaltung sicherlich abgesehen werden. Im Lauf- oder Offenstall hat mein Pferd auch ohne mich genügend Bewegung, Abwechslung und frische Luft.

- Wie alt ist mein Pony? Besonders ältere Pferde profitieren von der ständigen Bewegung, die der Lauf- und Offenstall bieten. Sie "rosten nicht ein" und werden ausserdem von den jüngeren auf Trab gehalten.

- Hat mein Pferd Atemwegsbeschwerden? Besonders in schlecht belüfteten Ställen kommt es häufig zu Erkrankungen der Atemwege. Wenn mein Pony schon vorgeschädigt ist oder ich vermeiden will, dass es Atemprobleme bekommt, bietet sich die Offenstallhaltung an. Bewegung an frischer Luft fördert die Selbstreinigungsmechanismen in den Atemwegen.

- Wie nutze ich mein Pony? Wünsche ich mir von meinem Pferd die höchstmögliche Konzentration bei der Arbeit? Geht mein Pony im Strassenverkehr vor der Kutsche und soll möglichst ausgeglichen sein? Auch dies spricht für die Offenstallhaltung. Die Pferde können den ganzen Tag spielen, sind ausgelastet und weniger schreckhaft, als wenn sie die ganze Zeit in der Box stehen. Wenn man sie schließlich fordern möchte, sind sie viel eher bereit mitzuarbeiten, wenn sie vorher die Möglichkeit hatten, sich auszutoben.

Bei der Qual der Wahl des passenden Stalles muss sorgfältig das Für und Wieder abgewägt werden. Doch jeder, der sein Pony liebt wird ganz von selbst merken, wenn es sich wohl fühlt, gesund und ausgeglichen ist!

Stephanie Kempchen

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