Unter diesem Motto fand am Sonntag, den 30. März auf dem Hof Ellersgrund in Gemünden Wohra ein Beurteilungsseminar für Züchter, Reiter, Pferdefreunde aber vor allem für Zuchtrichter statt.
Initiator dieser Veranstaltung war Birgit Grunewald, Dressurpferdezüchterin aus Gemünden/ Wohra und die Gastgeber Dr. Dina Schweizer und Prof. Dr. Dieter Schweizer stellten ihre Anlage dankenswerterweise zur Verfügung.
Als Referent konnte Florian Solle gewonnen werden. Der mittlerweile pensionierte Pferdefachmann war lange Jahre Zuchtleiter beim Ponyverband Hessen, kommissarischer Leiter des ehemaligen Hess. Landgestüts Dillenburg und fungiert seit über 20 Jahren als Zuchtrichterausbilder bei der FN.
Der Ponyverband nutzte diese Gelegenheit den Termin auch als FN Zuchtrichterfortbildung anzubieten. Die auf der Zuchtrichterliste der FN geführten Richter müssen alle 4 Jahre eine Fortbildung nachweisen, um weiterhin als Richter geführt zu werden.
Bereits am Vortag konnte ein Vorbereitungslehrgang Allgemeiner Richter Zucht angeboten werden, zu dem 28 Zuchtrichteranwärter angemeldet waren. Ziel dieser Ausbildung ist eine qualifizierte Beurteilung von Zuchtpferden zu ermöglichen. Zuchtrichter sind bei Veranstaltungen tätig, bei denen Pferde und Ponies an der Hand und im Freilaufen sowie Freispringen beurteilt werden. Dies sind Veranstaltungen, die der Selektion dienen wie Körungen, Stutbucheintragungen und Fohlenschauen aber auch Prämienmärkte mit und ohne Rangierung.
Für den Antrag auf Zulassung zur Prüfung sind folgende Voraussetzungen nötig:
- 2-jährige Mitgliedschaft in einem FN anerkannten Zuchtverband
- Volljährigkeit
- Absolvierter Vorbereitungslehrgang
- Vorlage eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses
- Nachweis, dass der Bewerber mind. 1 Jahr, höchstens 4 Jahre auf der Zuchtrichteranwärter liste eines Zuchtverbandes geführt wird und währenddessen mind. auf 10 Zuchtveranstaltungen mit Bewertung und / oder Kommentierung hospitiert hat
- Teilnahme an einem weiteren Vorbereitungslehrgang, der der Prüfung unmittelbar vorausgeht.
Die eigentliche Prüfung umfasst eine schriftliche Klausur über
- Exterieurlehre, Identifizierung
- Rechtsgrundlagen (ZVO, ZBO, insbesondere grundlegende Vorgaben des Tier - zucht- und Tierschutzgesetzes sowie der Richtlinien und Entscheidungen der EU)
- Fachkunde Pferdezucht
- Gangarten und Bewegungsabläufe
Sowie zwei praktische Teile:
- Beurteilen und Rangieren von Pferden (i.S.d. ZVO)
- Beurteilen und Kommentieren von Pferden
Am Sonntag fanden sich zunächst in der Reithalle rund 50 Interessierte ein, um den in gewohnt humorvoller Weise von Herrn Solle vorgetragenen Ausführungen zu den Themen Bewegungsablauf, Gangarten, Stellungsfehler und Körperbau zu lauschen. Der weitläufigen Meinung wurde widersprochen, dass mit „im großen Rahmen stehend“ nicht die Körperhöhe gemeint ist, sondern das gute Verhältnis der Körperpartien zueinander. Es wurde nochmal verinnerlicht, dass die Exterieur- und Bewegungsbewertung nur eine Momentaufnahme ist und wichtige Gegebenheiten wie Gesundheit, Fruchtbarkeit, Rittigkeit und vor allem Charakter nicht außer Acht gelassen werden sollten. Hier sind die Züchter in der Selbstverantwortung nur mit gut bewerteten und charakterlich einwandfreien gesunden Tieren getreu dem Leitsatz „breed best to the best and hope for the best“ zu züchten.
Das theoretisch Übermittelte wurde anhand abgespielter Videos mit Bewegungsstudien überdurchschnittlicher und gewöhnlicher Abläufe sowie Taktfehlern untermauert.
Nach der Mittagspause, zu der ein sehr umfangreiches warmes Buffet angeboten wurde, stellte der Reit- und Fahrverein Ellersgrund zwei Klassen mit jeweils 4-5 Stuten der Rassen Reitpony und Oldenburger – bzw. Hannoveraner Warmblut auf dem schön hergerichteten Reitplatz vor.
Bei einer Stute waren alle einig: herausragende Spitzentiere lassen sich leicht hervorheben. Jedoch wurde anhand weiterer praktischer Beispiele klar, wie schwer es ist Stuten zu rangieren, die ziemlich homogen veranlagt sind und jede für sich individuell verschiedene Vorzüge und Nachteile hat.
Leider spielte das Wetter an diesem Tag nicht mit und die Teilnehmer mussten bei sehr kalten Temperaturen und oftmals einsetzenden Regen viel Durchhaltevermögen an den Tag legen.
Während der ganzen Veranstaltung bot der Reitverein Ellersgrund Heiß- und Kaltgetränke, Brötchen, Kuchen und Torten zugunsten der Hilfsorganisation Equiwent e.V. an. Herzlichen Dank dafür!
Ebenfalls bedanken möchten wir uns bei Florian Solle und dem Veranstalter für die Möglichkeit einen Vorbereitungslehrgang und eine Zuchtrichterfortbildung in der Mitte Deutschlands anbieten zu können.
Text: Simone Glück
Fotos: Sarah Kreiner
www.sarah-kreiner-fotografie.com