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Zu der Gemeinschaftsveranstaltung: Weidezaunbau – so sicher wie möglich! für Pferde und Rinder hatten am vergangenen Samstag, dem 15. April 2023 der Pferdesportverband Hessen, der Verband der Pony- und Pferdezüchter Hessen e.V., der Kreisbauernverband Werra-Meißner e.V. und der Kreisreiterbund Werra-Meissner e.V. eingeladen.

Dr. WeilerEtwa 50 Weidetierhalter aus dem Werra-Meissner-Kreis aber auch aus Schwalm-Eder und Südhessen waren der Einladung nach Eschwege gefolgt. Der Vorsitzende des Kreisreiterbundes Werra-Meissner, Jörg Zeidler begrüßte die Teilnehmer, sowie den Geschäftsführer des PSV Hessen, Hendrik Langeneke und Klaus Biedenkopf, den ehem. Geschäftsführer des Ponyverbandes. Erster Referent war Dr. Michael Weiler, Steffenberg, Fachtierarzt für Pferde zum Thema: Die Rückkehr des Wolfes – Fluch oder Segen?

Während seiner aktiven Zeit als Tierarzt hat Dr. Weiler mehrere Kliniken in Osteuropa mit aufgebaut.Durch seine Auslandsaufenthalte und die zahlreichen Kontakte konnte er Erfahrungen zum ThemaWolf sammeln. Seiner Meinung nach ist der Wolf nicht mehr als bedrohte Tierart anzusehen. Brandenburg, Sachsen oder Sachsen-Anhalt hat weltweit die höchste Wolfsdichte. Das Land Niedersachsen hat mittlerweile eine höhere Wolfsdichte als Kanada. Die Anzahl der getöteten oder verwundeten Nutztiere nimmt dramatisch zu. Im Jahr 2020 waren dies ca. 4.000 Weidetiere. In NRW, Niedersachsen und Thüringen gab es bisher mehr als 50 Angriffe auf Pferde. Er wies darauf hin, dass der Fleischbedarf eines Wolfsrudels pro Jahr ca. 11.000 kg Fleisch beträgt.

Im Jahr 2022 gab es offiziell bestätigt 161 Wolfsrudel und 41 Wolfspaare, so dass der Fleischbedarf bei knapp unter 2.000.000 kg oder 2.000 t liegt.


Das deutsche Expertentum der Naturschutzverbände hat vor ca. 10 Jahren folgende Thesen herausgegeben:

  • Der Wolf springt nicht.
  • Der Wolf geht nicht an Rinder und Pferde.
  • Der Wolf ist scheu.
  • Der Wolf ist keine Gefahr für den Menschen.
  • Wir müssen lernen mit dem Wolf zu leben.
  • Der Wolf jagt hauptsächlich krankes und schwaches Wild.
  • Der Wolf tötet durch Kehlbiss.

Die Realität sieht anders aus:

  • Die Wölfe überspringen hohe Zäune! Wölfe greifen Rinder und Pferde an!
  • Die Wölfe sind nicht scheu, sie laufen tagsüber durch unsere Dörfer!
  • Die Wölfe sind eine Gefahr für die Menschen! Wölfe müssen lernen, Abstand zu den Menschen zu halten!
  • Die Wölfe sind Opportunisten, sie jagen auf die einfachste Art und Weise: Und das sind Nutztiere!
  • Die Wölfe töten grausam, sie fressen Ihre Beute bei lebendigem Leib auf!
  • Die Wölfe sind schlau und enorm anpassungsfähig, sie jagen dort, wo ihnen die geringste Gefahr droht.
  • Der Herdenschutz durch Zaunbau wird oft untergraben oder übersprungen!

 Was können Weidetierhalter weiterhin tun?
Dr. Weiler wies auf die Möglichkeit hin, im Fall eines Wolfsrisses zwei Genproben entnehmen zu lassen. So dass, ähnlich wie bei einer Dopingprobe, bei einem unklaren Ergebnis, bspw. Hund, ein unabhängiges Institut mit der Genanalyse beauftragt werden kann.
Das zweite Thema des Tages war der Herdenschutz für Rinder Arnd Ritter, Berater Schaf – und Ziegenhaltung Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen. Elektrozäune haben sich in Wolfsgebieten als wirksame Präventionsmaßnahmen bewährt. Der Elektrozaun sollte vier Litzen haben, wobei der 1. Leiter schon ab 20cm gezogen werden sollte. Arnd Ritter empfiehlt das Aufstallen in der Nacht in geschlossenen Gebäuden oder einen wolfssicheren Nachtpferch mit Untergrabschutz, Überkletterschutz und elektrifiziert.
Er wies auf die Möglichkeit von Herdenschutzhunden hin, die allerdings auch zu Problemen führen können. Weiterhin empfiehlt er Geräte für Zaunfernüberwachung.

Über den Herdenschutz für Pferde referierte Andreas Hornemann, Berater Pferdezucht, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen Die empfohlene Zaunhöhe beträgt 0,75 x Widerristhöhe. Die Anzahl der Litze war bisher 3 reihig. Die neuesten Empfehlungen des DLG-Merkblattes 455 sind ein Zaunsystem mit zwei Zäunen, mit jeweils einem Meter Abstand. Der höhere Innenzaun für die Pferde sollte 3 Litzen haben 140 cm, 100cm und 60cm. Der äußere Zaun sollte 4 Litzen haben 90cm, 60cm, 40cm und 20cm.
Dabei wies er auf das Freihalten durch Bewuchs hin.

Die Leistung der Weidezaungeräte sollte mindestens 2.000 bis 10.000 Volt betragen. Die Impulsenergie sollte max. 5 Joule betragen.
Die Herdenschutzberater des LLH sind sich über die finanziellen und personellen Aufwendungen bewußt, die empfohlen werden.
Per Videoschaltung wurde als vierter Referent Mag. Robert Tarbuk Geschäftsführer Infostars, aus Wien zugeschaltet, Er hat über GPS-Systeme zur Weidetierortung informiert. Bisher werden diese GPS-Viehortungssysteme häufig auf Almen, aber auch bei Distanzritten eingesetzt. Die Pferde und Rinder tragen den GPS-Sender in einem Schlauchhalsband. Es können der Live-Standort gesehen werden, oder auch Bewegungsmuster (Grasungsverhalten) per Handy oder PC abgefragt werden. Diese Systeme können einen Alarm per SMS auslösen, wenn die Tiere die Weide verlassen wird. Die Haltbarkeit des Akkus ist abhängig vom Sendeintervall. Die Batterie hält bei einem Sendeintervall von 4 Stunden ca. 4.-5 Monate. Im Fall eines Weideausbruchs kann der Sendeintervall auf minütlich online herabgesetzt werden, so dass der aktuelle Standort die Tiere schnellstmöglich gefunden werden kann.


Als fünftes Referat kam der Vortrag „Elektrozaunbau in der Praxis“ von Gerald Becker, horizont group gmbh, Korbach. Er wies auf die wichtigsten Punkte beim Weidezaunbau hin: Ausreichende Erdung, keine Weidelitzen knoten und auf ausreichend Verbindungen achten. Die sichersten Geräte sind die Hausstromgeräte, hier wies Gerald Becker darauf hin, dass ein Blitzschutz unbedingt vorgeschrieben ist. Dieser soll das Haus oder den Stall vor einem Blitzeinschlag schützen. Mittels eines Demo-Koffers konnte er die Qualität und Leitfähigkeit der Litze deutlich demonstrieren. Es gibt auch hier Weidezaungeräte, die per SMS alarmieren, wenn die Spannung des Zaunes nachlässt.


Insgesamt war es eine gelungene Veranstaltung mit fünf interessanten Vorträgen und sehr aufmerksamen Zuhörern bis in den Nachmittag hinein. Die Organisatoren bedankten sich beim RFV Eschwege e.V. für die gute Bewirtung.
Die Prävention durch Weidezaunbau ist ein wichtiges und sinnvolles Thema, jedoch werden die Schutzmaßnahmen oft von den Wölfen überwunden.


Nach der Veranstaltung waren sich alle Beteiligten einig: Neben allen privaten Präventionsmaßnahmen muss die Bedrohung durch den Wolf auch weiterhin auf politischer Ebene thematisiert werden.
Die verschiedenen Verbände der Weidetierhalter demonstrieren mit solchen Veranstaltungen einen Schulterschluss und weisen auf die Gefahr für die ländliche Bevölkerung hin: Waldkindergärten, Outdoorsport, Tourismus und die Bedrohung der Weidetierhaltung.
Der Deutsche Bauernverband organisiert am 28.04.2023 von 10 -12.30 Uhr einen Wolfsgipfel in Berlin. Es ist eine Diskussionsveranstaltung verbunden mit einer Demonstration zu dem Thema: Quo vadis Wolf.
Zur Demonstration kann man sich unter https://wolfsgipfel.4d-agentur.de/registrieren anmelden.


Die Veranstaltung in Berlin wird live gestreamt kann auch digital verfolgt werden: www.bauernverband.de

F.d.R.
Jörg Zeidler

1. Vorsitzender Kreisreiterbund Werra-Meissner e.V.
Kupferstraße 1a
36205 Sontra0173 56 888 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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